U0108 Eine aktive Linie
Aufgabenstellung
Nimm einen Bleistift und ein A4 Papierbogen.
a) Zeichne eine aktive Linie, die sich frei ergeht, ein Spaziergang um seiner selbst willen ohne Ziel. Die treibende Kraft ist ein Punkt, der sich verschiebt.
b) Skizziere dieselbe Linie mit Begleitungsformen in zwei Varianten.
c) Skizziere dieselbe Linie, sich umschreibend.
d) Skizziere zwei Nebenlinien, während die Hauptlinie imaginär bleibt.
e) Skizziere eine neue aktive Linie, die sich zwischen bestimmten Punkten bewegt.
Lernziel: Körpergefühl für ein formgebendes Werkzeug erlangen. Wirkungen und Beziehungen in und zwischen Linien erfahren.
Umsetzung

Kommentare
a) Erkenntnis:
Die Linie spiegelt meine Handbewegung wider und zeigt, wie direkt und spontan Linienführung Emotionen oder Dynamik ausdrücken kann.
b) Erkenntnis:
Durch die Begleitung verändert sich die Wirkung der Hauptlinie. Die Linie wird betont, wirkt „umrahmt“ oder erhält durch die Begleiter eine Richtung oder sogar einen Rhythmus. Linien in Beziehung zu setzen, schafft neue Bedeutungen und Eindrücke auf dem Blatt.
c) Erkenntnis:
Die „umschreibenden“ Linien verstärken die Präsenz der Ausgangslinie, geben ihr einen Raum oder eine Art „Aura“. Gleichzeitig wird sichtbar, wie wichtig der Freiraum um eine Linie ist – die Negativform wird bedeutsam.
d) Erkenntnis:
Das war eine spannende Übung, weil ich die imaginäre Hauptlinie im Kopf behalten musste, während ich Nebenlinien dazu skizzierte. Dadurch wird die Vorstellungskraft trainiert, und es zeigt sich, wie Linien auch ohne physische Präsenz durch ihre Beziehung zu anderen Linien „sichtbar“ gemacht werden können.
e) Erkenntnis:
Der Unterschied zur ersten, freien Linie ist spürbar: Die Linie ist gezielter, aber immer noch lebendig und dynamisch. Durch die Vorgabe der Punkte entsteht eine andere Spannung, weil sich die Bewegung an klaren Zielen orientiert.