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U0102 Die Linie - Dichte

Aufgabenstellung:

Nimm einen Bleistift und ein A4 Papierbogen.

a) Zeichne eine aktive Linie, die sich frei ergeht, ein Spaziergang um seiner selbst willen ohne Ziel. Die treibende Kraft ist ein Punkt, der sich verschiebt. b) Skizziere dieselbe Linie mit Begleitungsformen in zwei Varianten. c) Skizziere dieselbe Linie, sich umschreibend. d) Skizziere zwei Nebenlinien, währen die Hauptlinie imaginär bleibt. e) Skizziere eine neue aktive Linie, die sich zwischen bestimmten Punkten bewegt.

Mein Ergebnis:

U108

Dieses Konzept von einer aktiven Linie war komplett neu für mich. Besonders die Idee, dass der „Punkt die Linie treibt“, hat einen viel größeren Unterschied gemacht, als ich erwartet hätte. Ohne dieses Konzept wären die Linien wahrscheinlich nicht so gleichmäßig und flüssig geworden, wie sie letztendlich sind. Bei meiner ersten Linie in a) habe ich versucht, den Punkt entscheiden zu lassen, wo die Linie endet. Ich habe bewusst versucht, meinen Einfluss zu reduzieren – aber ich glaube, unterbewusst hatte ich doch schon einen gewissen Linienverlauf im Kopf. Trotzdem wirkt die Linie im Nachhinein ziemlich eigenständig.

In b) habe ich versucht, mit zwei Linien eine geschwungene Form zu erzeugen, die theoretisch die aktive Linie aus a) begleiten soll. Die Gesamtform, die dadurch entsteht, erinnert schon an die aktive Linie – aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das Konzept von den Begleitungsformen wirklich getroffen habe.

Bei c) habe ich einen ähnlichen Linienverlauf wie in b) verwendet, um eine umschreibende Version der aktiven Linie zu zeichnen. Hier habe ich tatsächlich das Gefühl, dass die Linie die aktive Linie umschreibt – vielleicht sogar zu sehr. Der Einfluss der aktiven Linie hat in gewisser Weise die Freiheit dieser neuen Linie eingeschränkt, weil sie eben auf eine gewisse Weise von ihr abhängig war.

Die Nebenlinien in d) umgeben ziemlich offensichtlich eine imaginäre Linie – oder besser gesagt: Die innere Linie umrahmt die gedachte Linie, während die äußere Linie wiederum die innere umrahmt. Dadurch wird die Platzierung der imaginären Linie besonders betont. Im Rückblick hätte ich die Dichte der beiden Nebenlinien besser angleichen sollen, um die Vorstellung der imaginären Linie noch klarer hervorzuheben.

Zum Schluss ist die neue aktive Linie in e) an ein paar vordefinierte Punkte gebunden. Auch hier war ich überrascht, wie genau und flüssig ich die Linie zeichnen konnte, wenn ich die Methode „Punkt treibt die Linie“ anwende. Insgesamt wirkt die Linie hier etwas weniger eigenständig als die ursprüngliche aktive Linie – vermutlich, weil die Punkte auf dem Papier sichtbar waren. Es wäre interessant zu sehen, ob eine weitere Linie mit festen Punkten sich auch weniger unabhängig anfühlen würde, selbst wenn die Punkte nicht sichtbar wären.